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Die Stiftung Contusio Cerebri Fonds (Stichting Contusio Cerebri Fonds)

Gehirnquetschung – und dann?

Auf einer kleinen Radtour mit dem Ehemann geschieht es: Frau Andrea Willemsen wird von einem entgegenkommenden Mopedfahrer gerammt und erleidet erhebliche Kopfverletzungen. Der Arzt diagnostiziert eine schwere Gehirnerscütterung, die eigentlich nach einiger Zeit abklingen sollte. Doch acht Jahre später hat Andrea Willemsen immer noch gravierende Störungen zentraler Gehirnfunktionen: “Contusio Cerebri” oder auf Deutsch: Gehirnquetschung!

Das Buch mit dem gleichnamigen Titel entstand aus eigenen, losen Aufzeichnungen, die den Leser die gravierenden Probleme miterleben lassen, die ein Opfer mit dieser Hirnverletzung durchleiden muss. Die Autorin versuchte mit diesen Aufzeichnungen, das Schreiben, das ihr seit ihrem Unfall grosse Schwierigkeiten bereitete, wieder zu üben und wieder Kontakt mit ihrem Ehemann zu bekommen. Eindrücklich beschreibt Frau Willemsen im folgenden Auszug die Erfahrungen einer Person, die an Contusio Cerebri leidet:

“Zwei Tage nach dem Unfall kommt langsam die Erkenntnis, dass etwas nicht stimmt mit meinem Gehirn. Mein Sohn Joost notiert in meiner Agenda, dass ich am Tage vorher die Intensivstation verlassen habe und dass Photos von mir gemacht worden sind. Ich kann mich an nichts von alledem erinnern. Joost wundert sich, dass er alles aufschreiben muss, weil ich in meiner Agenda ‘gestern’ nicht finden kann. Aber wenn man nicht weiss, welcher Tag heute ist, weiss man auch nicht, welcher Tag gestern gewesen ist. Später versuche ich aufzuschreiben, wer gestern zu Besuch gekommen ist. Es wundert mich sehr, dass offenbar meine zwei lieben Tanten mich besucht haben, ich mich aber daran nicht erinnern kann”.

 

Was bedeutet Contusio Cerebri?

“Contusio Cerebri” ist die wissenschaftliche Bezeichnung für Gehirnquetschung, eine Verletzung des Gehirns.
In den Niederlanden sind ungefähr 160.000 Personen von irgend einer Form von Gehirnverletzung betroffen. Die meisten sind Opfer eines Verkehrsunfalls. Zwanzig Prozent aller Niederländer haben direkt oder indirekt mit jemandem zu tun, der an einer Schädigung des Gehirns leidet. Die Zahl der Contusio-Cerebri-Patienten ist nicht genau bekannt; bekannt ist aber, dass jährlich ungefähr 30.000 neue Fälle hinzukommen.

Die “Contusio Cerebri” ist eine unsichtbare Verletzung; und es gibt dafür keine Medikamente. Man kann das Gehirn vergleichen mit einer geleeartigen Masse, welche sich lose in einem Glasgefäss befindet. Immer wenn man gegen das Glas schlägt oder es schüttelt, zieht sich diese Masse zusammen oder dehnt sich aus. Ähnliches geschieht mit unserem Gehirn, wenn wir einen Schlag gegen unseren Schädel bekommen. Dann können Haarrisse entstehen, welche die Nervenstr�nge beschädigen. Beeintr�chtigungen unseres Gedächtnisses, unserer Konzentration und der Koordination sind die Folge. Auch emotionell kann die “Contusio Cerebri” grosse Schäden verursachen: die Patienten haben oft kein Bewusstsein mehr von sich selbst oder können zum Beispiel nicht mehr mit Stress umgehen. Sogar ihre ganze Persönlichkeit kann sich ändern, mit allen sich daraus ergebenden gravierenden Folgen für die Familie und die weitere soziale Umgebung.